Dienstag, 09.02.2010
Das filmforum darf nicht sterben!
Pathetisch, dieser Satz. Lächerlich kitschig. Wenn es nicht so ernst wäre. Das filmforum, das älteste Kommunale Kino Deutschlands und eins der Besten dazu, soll dem Sparzwang der Stadt zum Opfer fallen. Die jährlichen Zuschüsse zum Ausgleich des Minus bei den laufenden Kosten sollen ab 2011 wegfallen, plant man bei der Stadt. Der Zuschuss liegt zwischen 300.000 und 350.000 Euro - kaum eine Summe, die die Stadt aus ihrer schlimmen Lage befreien könnte. Aber ohne dieses besondere Kino würde die Stadt unendlich viel verlieren.
Es gibt in Duisburg kein Programmkino mehr, dieses Lücke füllt seit Jahren das filmforum. Es ist ein gelungener Spagat zwischen Nischenprogrammen und anspruchsvollen Filmen für ein durchaus breiteres Publikum. Und nicht zuletzt das meist ausverkaufte Open Air Kino vor der atemberaubenden Kulisse des Landschaftsparks Nord ist ein Event, dass nicht mehr wegzudenken ist.
Das filmforum hat eine eigene Filmsammlung mit dem Schwerpunkt amerikanischer Stummfilm. Und es sorgt dafür, dass Duisburger Bürger Filme über die Stadt, die im Stadtarchiv aufbewahrt wurden, aber kaum zugänglich waren, einem breiten Publikum bekannt gemacht wurden.
Und nicht zuletzt ist das filmforum die Heimat der Duisburger Filmwoche, des überaus renommierten Dokumentarfilmfestivals. Das würde wohl gleich mitsterben oder abwandern müssen. Es wäre jedenfalls nicht mehr dasselbe.
Mit dem filmforum verbindet mich ganz persönlich sehr viel. Ich hatte dort meinen allerersten Job nach dem Studium, eine ABM, die zwar die umfangreiche Filmplakatsammlung aus den 50er und 60er Jahren zum Inhalt hatte, mich aber mit dem Tagesgeschäft und allem anderen in Berührung brachte. Tag für Tag saß ich Kai Gottlob, dem Leiter, am Schreibtisch gegenüber und bekam seine Leidenschaft für die Filme hautnah mit. Wenn ein neuer Film für die Sammlung angeschafft und geliefert wurde, rissen wir das Paket auf, bauten manchmal sogar den 16mm-Projektor im Büro auf und warfen die Klassiker wie z.B. "Dr. Jekyll und Mr. Hyde" mit John Barrymore an die Wand. Er steckte mich an mit seiner Vorliebe für amerikanischen Stummfilm - obwohl ich glaube, dass er meine Leidenschaft für Rudolph Valentino nicht unbedingt teilte...
Im Café Movies am Dellplatz kann sich jeder in eine Unterschriftenliste für den Erhalt des filmforums eintragen. Rund 3000 Menschen haben das bereits getan. Sorgt alle dafür, dass es noch viel mehr werden!
Wer sich noch näher informieren möchte und die vielen Solidaritätsmails lesen möchte, kann das hier tun.